Rhizarthrose

Die Daumensattelgelenks-Arthrose (Rhizarthrose) ist die häufigste Arthrose an der Hand, die Anzahl der Neuerkrankten in der Bevölkerung wird mit bis zu 10 % angegeben. Bei postmenopausalen Frauen wird als Häufigkeit 25–50 % genannt. Auch hormonelle und genetische Faktoren sind bei der Entstehung der Erkrankung beteiligt, was das bis zu 10-mal häufigere Auftreten der Erkrankung bei Frauen erklärt. 

Die Bedeutung der Daumensattelgelenks-Arthrose bzw. Rhizarthrose für den Handchirurgen und insbesondere den Patienten erschließt sich aus der Besonderheit des Daumens. Im Daumensattelgelenk, also zwischen dem ersten Mittelhandknochen und dem großen Vieleckbein (Trapezium), findet die wichtige sogenannte Oppositionsbewegung statt, bei welcher der Daumen den übrigen Fingern gegenübergestellt werden kann und so differenzierte Greifformen wie Spitz-, Schlüssel- und Grobgriff, die im Alltag immens wichtig sind, ausgeführt werden können. Die Oppositionsstellung geht langfristig mit einer starken Belastung des Gelenkknorpels im Daumensattelgelenk einher.

Diagnose und Untersuchung

Die Patienten berichten bei Vorstellung in der Handchirurgie oder Orthopädie meist über Bewegungs- und Belastungsschmerz im Daumensattelgelenk bzw. an der sogenannten Daumenwurzel beim Auf- oder Abschließen von Türen und beim Öffnen von Gläsern oder Flaschen mit Drehverschlüssen. Meist besteht eine ausgeprägte Schwellung über dem Sattelgelenk, die insbesondere weibliche Patienten häufig auch ästhetisch stört. Zusätzlich beklagen die Patienten einen signifikanten Kraftverlust und verminderte Beweglichkeit des Daumens. Der vom Untersuchenden durchgeführte positive Kompressions- oder Grindingtest mit schmerzhaftem Reiben (Krepitation) weist auf einen Knorpelschaden hin. 

Im Rahmen der weiteren bildgebenden Diagnostik kann mittels einer Sonographie das Ausmaß der Entzündung bzw. der Synovialitis im Daumensattelgelenk dargestellt werden. Zum Untersuchungsstandard gehört auf alle Fälle eine Röntgenaufnahme des Damensattelgelenks in zwei Ebenen. Damit lässt sich das Ausmaß der Arthrose im Daumensattelgelenk exakt bestimmen und die Klassifikation der Erkrankung nach Eaton und Littler in die Stadien 1 bis 4 vornehmen. Entsprechend der Schwere der Erkrankung wird sodann das Behandlungskonzept mit dem Patienten abgestimmt.

Konservative Therapie

In den frühen Stadien 1 und 2 ist ein konservativer Therapieversuch möglich, da sich die Schädigung des Knorpels bzw. die Arthrose noch im Anfangsstadium befindet. Hierbei steht die Schienenanpassung durch einen Handtherapeuten, flankiert von der Einnahme nicht-steroidaler Antiphlogistika (NSAR), im Vordergrund. Auch die Möglichkeit der Injektion eines Kortikoid-/Lokalanästhetikum-Gemischs kann zur Linderung der Beschwerden führen. Zusätzlich kann eine entsprechende Physiotherapie bzw. spezielle Handtherapie hilfreich sein und zu einer Verbesserung der Beweglichkeit und Linderung der Schmerzen im Daumen führen. Auch nach Injektion von Hyaluronsäure in den Frühstadien wird von Verbesserungen der Beschwerden berichtet. Jedoch kann keiner dieser konservativen Behandlungsansätze die Rhizarthrose heilen.

Operative Therapie

Verbleiben die mit Schmerzen verbundenen Beschwerden trotz konservativer Therapie, ist über die Operation als nächste Behandlungsoption zu sprechen. Der bestehende Schmerz führt den Patienten in der Regel sodann zum Handchirurgen, meist besteht bereits der Wunsch nach einer Operation, um wieder eine gute Lebensqualität ohne Schmerzen zu erlangen.

In den frühen Stadien der Arthrose mit noch nicht gravierend geschädigtem Knorpel werden verschiedenste Verfahren angewendet. So eignet sich die Arthroskopie des Sattelgelenks zur Entfernung freier Knorpelteile, zur Entfernung der Entzündung im Gelenk (Synovialektomie) und zur Raffung des Kapselbandapparats. Weitere Verfahren sind Bandplastiken, knöcherne Stellungskorrekturen (Korrekturosteotomie) oder die Ausschaltung der schmerzleitenden Nerven am Sattelgelenk (Denervierung).

Meist erscheinen die Patienten jedoch in den späteren Stadien 3 und 4 beim Handchirurgen und der Knorpel im Gelenk ist durch die Arthrose schon stark destruiert. Diesen Patienten stehen nun entweder die Implantation einer Gelenkprothese oder die sogenannte Resektionsarthroplastik des Daumensattelgelenks zur Verfügung. Mit der Implantation einer Gelenkprothese, von der es mannigfaltige Modelle gibt, kann die Anatomie des Daumensattelgelenks nach partieller oder kompletter Entfernung des großen Vieleckbeins (Os trapezium) wiederhergestellt werden. Nicht selten kommt es jedoch nach Implantation einer solchen Gelenkprothese zu Komplikationen wie Prothesenlockerung, Dislokation, Entzündungen sowie Fremdkörperreaktionen und das Ergebnis ist nicht zufriedenstellend.

Daher sind die verschiedenen Verfahren der sogenannten Resektionsarthroplastiken mit kompletter Trapezektomie (Entfernung des großen Vieleckbeins) nach wie vor die weltweit am häufigsten durchgeführten Eingriffe bei der Rhizarthrose.

Die vom Praxisinhaber bevorzugte Operation ist seit über 25 Jahren die Resektionsarthroplastik des Daumensattelgelenks, bei der das Trapezium komplett entfernt wird (Trapezektomie) und eine Sehnenaufhängeplastik zur Stabilisierung des Daumens mit einem Körpereigenen Sehnenstreifen von einer Daumensehne erfolgt (Resektionsarthroplastik nach Lundborg). In den Händen des erfahrenen Handchirurgen führt dieses Verfahren bei über 90 % der Patienten zur Beschwerdefreiheit und Wiedererlangung von Grifffunktion, Beweglichkeit und Kraft.

Der Eingriff wird in der Regel stationär durchgeführt und erfolgt unter Leitungsanästhesie (Plexusanästhesie) oder Vollnarkose. Die Dauer des stationären Aufenthalts liegt bei etwa 1 bis 3 Tagen.

Nachbehandlung

Nach Beendigung der Operation wird im OP ein Schienenverband für Daumen und Unterarm angelegt. Unmittelbar nach der Operation kann bereits mit Bewegungsübungen für die Finger begonnen werden. Am Entlassungstag wird, sofern die Schwellung am Daumen schon rückläufig ist, von einem Handtherapeuten eine Thermoplastschiene zur Stabilisierung des Daumens angefertigt. Die vor der Operation bestehenden Schmerzen verschwinden zunehmend. Das Nahtmaterial wird nach 12 bis 14 Tagen entfernt. Die Schiene muss insgesamt 5 Wochen getragen werden. Danach ist regelmäßige Physiotherapie, möglichst bei einem Handtherapeuten, erforderlich. Die volle Beweglichkeit und Belastbarkeit des Daumens mit kompletter Schmerzfreiheit stellt sich in der Regel nach 3 bis 5 Monaten ein.